🧬 Was sind Haplotype überhaupt?


Ein Haplotyp ist eine Gruppe von genetischen Varianten (Marker), die gemeinsam vererbt werden, weil sie nah beieinander auf einem Chromosom liegen.

Statt ein einzelnes Gen zu betrachten, schaut man auf ein genetisches „Musterpaket“.


🧪 Was bringt Haplotyp-Testung in der Hundezucht?

Sie hilft, mehr zu sehen als nur einzelne Defektgene.


1️⃣ Genetische Vielfalt beurteilen

Haplotypen zeigen, wie ähnlich oder verschieden Hunde genetisch sind.

👉 Vorteil:

  • Vermeidung von versteckter Inzucht
  • bessere Paarungsplanung
  • Erhalt breiter Genbasis

Gerade in Rassen mit engem Genpool (wie viele Gebrauchshunderassen) extrem wichtig.


2️⃣ Bessere Zuchtwertschätzung für komplexe Krankheiten

Viele Erkrankungen sind polygen (z. B. HD, ED, Allergien, Epilepsie).

Ein einzelner Gentest hilft da kaum.


Haplotyp-Analysen erlauben:

➡️ Erkennen von genetischen Regionen, die mit Risiko oder Schutz verbunden sind
➡️ genauere Berechnung von Zuchtwerten

Man sieht also nicht nur: „krankes Gen ja/nein“, sondern Risikoneigung.


3️⃣ Frühwarnsystem für Erbkrankheiten

Bestimmte Haplotypen treten gehäuft in Linien mit bestimmten Erkrankungen auf.

Auch wenn das ursächliche Gen noch unbekannt ist, kann man:

  • Risikohunde erkennen
  • Linien gezielt kombinieren


4️⃣ Immunsystem (DLA-Haplotypen)

Sehr wichtig!

DLA = Hundeversion des MHC (Immunsystem-Gene).

Bestimmte DLA-Haplotypen hängen zusammen mit:

  • Autoimmunerkrankungen
  • Allergien
  • Fruchtbarkeitsproblemen

Zuchtziel: möglichst große DLA-Vielfalt → robusteres Immunsystem in der Population.


5️⃣ Vermeidung von „Popular Sire Effekt“

Wenn viele Hunde den gleichen Haplotyp tragen, erkennt man schnell:
→ genetische Verengung durch übermäßig eingesetzte Deckrüden.


🔍 Unterschied zu normalen Gentests

Gentest

Haplotyp-Test

einzelnes Gen

ganze Genregion

krank / gesund

Risikoabschätzung

monogene Krankheiten

komplexe Merkmale

einfach

populationsbezogen


🧩 Kurz gesagt

Haplotyp-Testung hilft:

✔ genetische Vielfalt zu erhalten
✔ Inzucht besser zu vermeiden
✔ komplexe Krankheiten besser zu kontrollieren
✔ Immunsystem-Gene sinnvoll zu kombinieren
✔ fundiertere Paarungsentscheidungen zu treffen

Sie ist eher ein strategisches Zuchtwerkzeug als ein „Krankheitstest“.